Die 3. Schwangerschaftswoche (3. SSW)

Nachdem du im vorherigen Kapitel erfahren hast, dass du in der ersten und der zweiten SSW eigentlich noch gar nicht schwanger bist, wird sich dies nun in der 3. SSW endlich ändern. Sie ist die Woche, in der das neue Leben seinen Anfang nimmt. Zwar passiert das immer noch im Verborgenen und für die Mutter unbemerkt, doch jetzt ist es tatsächlich soweit, dass die Eizelle befruchtet wird und die Entwicklung eines kleinen Menschen beginnt.

Vereinigung im Eileiter – Schwerstarbeit für die Spermien

Die Befruchtung der Eizelle findet im Eileiter statt. Der Weg dorthin ist vor allem für die männlichen Samenzellen beschwerlich. Schon hier beginnt die natürliche Auslese. Nur die Stärksten schaffen es, überhaupt in Reichweite der Eizelle zu kommen und am Ende setzt sich eine einzige Zelle durch, deren Lohn die Befruchtung ist. Der Wettlauf gegen die Zeit und gegeneinander beginnt mit dem Orgasmus des Mannes, bei dem etwa 500 Millionen Samenzellen in die Scheide der Frau ausgestoßen werden. Die männlichen Spermien ähneln in ihrem Aussehen Kaulquappen. An einen kurzen Körper schließt sich ein langer Schwanz an. Letzterer wird zum Fortbewegen benötigt. Damit bewegt sich die Samenzelle durch den weiblichen Körper. Auch dabei kommt es auf Kraft an. Mit kräftigen Bewegungen des Schwanzes bahnt sich das Spermium seinen Weg durch die Scheide zum Gebärmutterhals und anschließend den Eileiter hinauf. In seltenen Fällen erfolgt die Befruchtung der Eizelle in der Gebärmutter. Dann können sich die verbliebenen Spermien zumindest die beschwerliche Route in den Eileiter sparen, dennoch wird am Ende in der Regel nur eine Samenzelle Sieger sein und die Eizelle befruchten.

Von der Scheide zur Gebärmutter

Der Weg von der Scheide bis zur Eizelle ist eine von der Natur mit Bedacht ausgewählte Herausforderung. Jeder Abschnitt ist von Bedeutung. Ihre Fruchtbarkeit erlangen die Spermien erst in der Scheide. Weibliche Enzyme entfernen hier Proteine aus dem Sperma. Dieser Reifungsprozess nimmt mehrere Stunden in Anspruch. Für die meisten der männlichen Samenzellen bedeutet die sogenannte Kapazitation bereits das Aus. Sie gehen in der sauren Umgebung der Scheide zugrunde. Einige hundert aber machen sich – nun fruchtbar – in Richtung Gebärmutterhals auf, der die nächste große Hürde darstellt.

Um das Eindringen von Keimen zu verhindern, ist die Öffnung der Gebärmutter besonders gut geschützt. Der Gebärmutterhals ragt etwa drei Zentimeter in die Scheide hinein. Eine dicke Schleimhaut umgibt die Öffnung. Zudem bilden innerer und äußerer Muttermund nochmals einen Schutzwall und zwischen den Beiden gilt es, den Zervixkanal zu durchqueren. Kommt die Frau während des Geschlechtsverkehrs ebenfalls zum Orgasmus, erhalten die Spermien vom äußeren Muttermund Hilfe. Er taucht mit rhythmischen Bewegungen, die den Bewegungen der Speiseröhre ähneln, in das Sperma ein und unterstützt dessen Weiterleitung. Kommt es zu keinem weiblichen Orgasmus, müssen sich die Spermien allein durch den Gebärmutterhals, den inneren und äußeren Muttermund, den Zervixkanal und den Uterus kämpfen. An die linke beziehungsweise rechte obere Seite des Uterus schließen sich die Eileiter an.

Durch den Eileiter zur empfängnisbereiten Eizelle

Für die Spermien, die es bis zum Eileiter geschafft haben, ist der beschwerliche Weg immer noch nicht zu Ende. Von der Scheide bis zur Eizelle beträgt die Distanz 15 bis 18 Zentimeter. Das hört sich nicht viel an, für ein Spermium aber ist es ein wahrer Marathon mit einer Vielzahl von Hindernissen. Einige Samenzellen schaffen es tatsächlich in einer halben Stunde bis zum Ziel. Andere wiederum benötigen mehrere Tage oder kommen nie an. Der Schnellste muss aber nicht zwangsläufig der Erste sein. Wir erinnern uns an die Abläufe in der zweiten Schwangerschaftswoche. Nach dem Eisprung begibt sich die Eizelle durch den Eileiter in die Gebärmutter. Zahlreiche Flimmerhärchen befördern die Eizelle vorwärts, in dem Fall den Eileiter hinunter. Die Spermien allerdings müssen in die andere Richtung. Das wiederum bedeutet, dass sie sich gegen die Bewegung der Flimmerhärchen stemmen müssen. Sie schwimmen sozusagen gegen den Strom. Eine kraftraubende Angelegenheit, die nicht mit dem Erreichen der Eizelle endet.

Der Kampf um den Sieg

Sind die verbliebenen Spermien nach ihrer langen Reise endlich bei der Eizelle angekommen, geht es darum, der Schnellste zu sein, der den Weg in die Zelle findet. Jede angekommene Samenzelle versucht, durch die Hülle der Eizelle zu gelangen und somit die Befruchtung derselben zu vollziehen. Die Hülle erweist sich als äußerst widerstandsfähig. Wie ein Bohrer versucht das Spermium hindurchzudringen. Dabei wird es von kräftigen Bewegungen seines Schwanzes unterstützt. Ist das Durchstoßen der Hülle geglückt, liegt dahinter noch eine Membran, die durchdrungen werden muss. Die Samenzelle, die das schafft, ist der glückliche Sieger. Sie hat den langen harten Kampf um die Eizelle gewonnen und darf sich nun mit ihr vereinigen. Der Schwanz wird nicht mehr gebraucht und abgeworfen. Übrig bleibt der Kopf des Spermiums, der die Erbanlagen des Mannes enthält. Nach dem Durchbruch der Membran erhält die Eizelle eine chemische Botschaft. Daraufhin verändert sich die Spannung der Zellmembran. Sie wird für die übrigen Spermien undurchlässig.

Es ist soweit: Das neue Leben nimmt seinen Anfang!

Jetzt endlich ist es soweit. In der Eizelle befinden sich nach dem Durchstoßen der Membran zwei Zellkerne. Die weiblichen Erbinformationen sind im Zellkern der Eizelle, die männlichen im Kopf des Spermiums. Mit dem Verschmelzen beider Kerne ist der Akt der Befruchtung endgültig passiert. Es ist ein neuer genetischer Code entstanden, der zu einem neuen einzigartigen Menschen gehört. Bald fängt die entstandene Zelle an, sich das erste Mal zu teilen. Im Laufe der Schwangerschaft tut sie dies noch viele weitere Male, sodass mehrere Milliarden Zellen entstehen.

Mehrlinge – wenn nicht nur eine Eizelle von einem Spermium befruchtet wird

Die dritte Schwangerschaftswoche (3. SSW) oder vielmehr die Befruchtung ist auch der Zeitpunkt, an dem nicht nur die Ausgangsposition für ein neues Menschenleben geschaffen wird. In manchen Fällen entstehen gleich zwei oder gar noch mehr Zellen, die den Ursprung neuen Lebens darstellen. Mehrlingsschwangerschaften werden häufig einer künstlichen Befruchtung zugesprochen. Hierbei werden zur Erhöhung der Erfolgsaussicht auf eine Schwangerschaft mehrere Eizellen befruchtet und in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Bei einer natürlichen Empfängnis sind gleichfalls Mehrlingsschwangerschaften möglich. Zumeist sind es Zwillinge, seltener Drillinge oder noch mehr Kinder, die sich auf den Weg ins Leben machen. Allgemein sprechen Ärzte ab zwei befruchteten Eizellen beziehungsweise sich daraus entwickelnden Embryos von Mehrlingen. Umgangssprachlich wird ab drei Embryos der Begriff Mehrlinge verwendet. Die Zahl von Mehrlingsgeburten ist in den letzten Jahrzehnten durch die Zunahme von künstlichen Befruchtungen stark angestiegen. Auf natürlichem Wege jedoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft deutlich geringer: Für eineiige Zwillinge liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:250, für eineiige Vierlinge bei 1:13 Millionen. Eineiige Drillinge sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:200 Millionen noch seltener.

Bei der Entstehung von Zwillingen sieht Mutter Natur gleich vier mögliche Szenarien vor:

  • Eineiige Zwillinge entstehen aus einer befruchteten Eizelle, die sich später in zwei Embryoanlagen aufteilt.
  • Zweieiige Zwillinge entstehen aus zwei Eizellen, die von zwei Spermien befruchtet werden.
  • Zwillinge aus zweikernigen Eizellen entstehen aus einer Eizelle, die zwei Zellkerne hat und die beide von Spermien befruchtet werden können.
  • Bei Polkörperchenzwillingen entwickelt sich ein Embryo aus dem der Eizelle anhaftenden Polkörper, der eigentlich keinen Zellleib hat und von der Gebärmutter bei der Einnistung der befruchteten Eizelle abgestoßen wird. In manchen Fällen aber erfolgt keine Abstoßung und es entsteht ein zweiter Embryo.

Weiterhin werden Zwillinge nach dem Zeitpunkt der Zellteilung unterschieden. Eine ausführliche Erläuterung dieses Themas würde den hier vorhandenen Rahmen sprengen. Sollte eine Zwillingsschwangerschaft vorliegen, wird der Arzt auf die daraus eventuell resultierenden Entwicklungsmöglichkeiten achten und im Bedarfsfalle mit dir darüber sprechen.

Interessant ist im Zusammenhang mit Mehrlingsgeburten allerdings, dass die Kinder von verschiedenen Vätern stammen können. Liegt keine eineiige Schwangerschaft vor, ist es durchaus möglich, dass du von mehreren Männern gleichzeitig schwanger bist. Sind die Bedingungen im Körper der Frau optimal, können die befruchtungsfähigen Spermien vier bis fünf Tage überleben. Kommt es zum Eisprung, kann mit dem alten und dem neuen Sperma eine Befruchtung stattfinden. Stammt der Samen von verschiedenen Männern, haben die Kinder dementsprechend verschiedene Väter.

Und wie geht es der Mutter in der dritten Schwangerschaftswoche?

Du wirst sicher immer noch keine Veränderung spüren. Wahrscheinlich weißt du auch noch gar nicht, dass du überhaupt schwanger bist. Dein Körper hat sich noch nicht komplett auf die Schwangerschaft eingestellt. Er bildet noch nicht übermäßig Schwangerschaftshormone, Schwangerschaftsbeschwerden treten ebenfalls noch keine auf. Manche Frauen haben allerdings so eine Ahnung, einige spüren sogar die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutter, die zum Ende der dritten Schwangerschaftswoche (3. SSW) erfolgt. Damit sie einen sicheren Halt hat, bohrt sie sich in die Gebärmutterschleimhaut ein und verankert sich dort. Werden dabei kleine Blutgefäße verletzt, kann eine leichte Blutung auftreten. Mediziner sprechen von der Einnistungsblutung. Die Frau verspürt beim Einnisten der Eizelle ein leichtes Stechen. Kommt es dann zu einer Blutung, geht sie davon aus, dass ihre Regel früher eingesetzt hat oder es sich um eine harmlose Schmierblutung handelt.

Der weibliche Hormonhaushalt wird angekurbelt

Am Eisprung und an der Befruchtung der Eizelle hat eine Vielzahl von Hormonen einen Anteil. In den nächsten Wochen wird der weibliche Hormonhaushalt angekurbelt, um bald 24 Stunden am Tag auf Hochtouren laufen. Zuerst einmal aber wird die werdende Mutter nicht merklich beeinträchtigt. Die Hormone arbeiten im Hintergrund. In der dritten Schwangerschaftswoche (3. SSW) bereiten sie die Ankunft der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter vor. Sie schaffen die Bedingungen, die jene für eine erfolgreiche Einnistung benötigt. Die richtige Einnistung ist die Basis für eine gesunde Entwicklung des Kindes. Sie stellt sicher, dass die ausreichende Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen während der ganzen Schwangerschaft bestehen bleibt. Dafür muss als Erstes die Gebärmutterschleimhaut gut aufgebaut und durchblutet sein.

Um die Vorgänge und die daran beteiligten Elemente zu verstehen, gehen wir in die zweite Schwangerschaftswoche zurück. Am Ende derselben fand der Eisprung statt. Die Eizelle reifte bis zu dem Zeitpunkt in einem Zellbläschen heran. Das Zellbläschen diente als schützende Hülle und wurde nach dem Ausstoß der reifen Eizelle (Eisprung) nicht mehr gebraucht. Da aber in der Natur nichts verschwendet wird, erhält das Zellbläschen nach dem Eisprung eine neue Aufgabe. Es wird zum sogenannten Gelbkörper und produziert fortan das Hormon Progesteron sowie kleine Mengen von Östrogen. Progesteron ist für eine Schwangerschaft unentbehrlich. Es sorgt für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und hält anschließend die Schwangerschaft aufrecht. Die ganzen 40 Wochen über wird Progesteron gebraucht. Ab der 8./9. Schwangerschaftswoche übernimmt die inzwischen vorhandene Plazenta die Produktion des sogenannten Gelbkörperhormons. Bis es so weit ist, liegt es an dem zum Gelbkörper umgewandelten Eizellbläschen, genug Progesteron zu bilden.

Im Laufe der Zeit nimmt der Umfang des Gelbkörpers dementsprechend zu. Bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels umfasst er nahezu die Hälfte des Eierstocks. Seine Funktion verliert der Gelbkörper erst, wenn die Plazenta in der Lage ist, das Progesteron in der erforderlichen Menge zu bilden. Nach und nach bildet sich dann der Gelbkörper zurück. Er schrumpft ein und vernarbt schließlich. Dieser Prozess läuft regelmäßig ab. Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, schrumpft der Gelbkörper ab etwa dem 9. Tag nach dem Eisprung, die Progesteronbildung verringert sich, hört schließlich auf und es bildet sich Narbengewebe.

Das Baby in der dritten Schwangerschaftswoche

Nach der Befruchtung der Eizelle verliert die neu entstandene Zelle mit den Erbanlagen von Mutter und Vater keine Zeit. Schon bald findet die erste Teilung statt. Am zweiten Tag sind bereits vier und am dritten Tag acht Zellen vorhanden. In diesem Stadium ist die wissenschaftliche Bezeichnung für den Embryo „Morula“, da er in gewisser Weise einer Maulbeere ähnlich sieht, die im Lateinischen Morula heißt. Etwa am vierten Tag bildet sich im Inneren dieser Zellansammlung ein Hohlraum. Nun wird aus der Morula eine Keimblase oder auch Blastozyste. Sie wird unterteilt in Embryoblaste und Trophoblaste. Es ist unschwer an der Bezeichnung zu erkennen, dass in der Embryoblaste der Embryo entstehen wird. Aus der Trophoblaste geht der Mutterkuchen – die Plazenta – hervor. Sie ist später für die Versorgung des Babys mit Sauerstoff und Nährstoffen verantwortlich. Dafür verbindet sich die Plazenta über die Nabelschnur mit dem Baby. Weiterhin übernimmt die Plazenta die Ableitung der Abfallprodukte von Babys Stoffwechsel.

Eine arbeitsreiche Wanderung in die Gebärmutter

Die Zellteilung und die daraus folgende Weiterentwicklung finden während der Wanderung durch den Eileiter statt. Ungefähr am Ende der dritten Schwangerschaftswoche (3. SSW) erreicht die befruchtete Eizelle die Gebärmutter. Mittlerweile besteht die Zellansammlung aus 70 bis 100 Zellen und heißt nun Embryo.