Der Eisprungkalender

Im Laufe eines Monatszyklus ist eine Frau nur an wenigen Tagen empfängnisbereit, genauer gesagt handelt es sich nur bei den Tagen kurz vor und nach dem Eisprung um fruchtbare Tage. Um eine ungewollte Schwangerschaft durch Sex an diesen Tagen zu verhindern, sind Verhütungsmittel unumgänglich. Umgekehrt bedeutet das aber, dass nur ein relativ enges Zeitfenster zur Verfügung steht, wenn eine Frau schwanger werden möchte. Um einen Schwangerschaftswunsch zu erfüllen, sollte eine Frau ihre fruchtbaren Tage kennen. Wann genau dieses Zeitfenster beginnt, lässt sich mit verschiedenen Techniken bestimmen. Eine mögliche Methode ist der Eisprungkalender.

Was ist ein Eisprungkalender

Mit Hilfe des sogenannten Eisprungkalenders berechnet man die fruchtbaren Tage im Monatszyklus einer Frau. Das lässt sich auf zweierlei Weise nutzen: Einerseits kann ein Eisprungkalender unterstützend als natürliche Verhütungsmethode angewandt werden. An den fruchtbaren Tagen muss dann per Kondom oder mit anderen Mitteln verhütet werden. Der Eisprungkalender allein gilt als eher unsicher und wird am besten mit weiteren natürlichen Verhütungsmethoden kombiniert. Die Verhütungsmethode wird auch als Knaus-Ogino-Methode und Kalender-Methode bezeichnet. Andererseits kann der Eisprungkalender bei der gezielten Familienplanung helfen. Das heißt, besteht ein Kinderwunsch, so kann man sich an einem Eisprungkalender orientieren. An dem Eisprungkalender lassen sich die besten Tage (und Nächte) für Sex ablesen, an denen eine Schwangerschaft besonders wahrscheinlich wird.

Wie funktioniert der Eisprungkalender

Um einen persönlichen Eisprungkalender zu erstellen, muss eine Frau das Einsetzen ihrer Periode für eine Weile dokumentiert haben. In der Regel benötigt der Eisprungkalender zwei Informationen: Erstens die durchschnittliche Zykluslänge und zweitens den ersten Tag der letzten Periode. Danach lässt sich das wahrscheinliche Datum für den Eisprung im aktuellen Monatszyklus und in zukünftigen Zyklen bestimmen.
Zum Beispiel liegt bei einer durchschnittlichen Zykluslänge von 28 Tagen der Eisprung meist bei Tag 14. Die fruchtbaren Tage liegen kurz davor und danach, nämlich zwischen Tag 12 und Tag 18. Dabei zählt der Eisprungkalender den ersten Tag der letzten Periode als Tag 1.

Die Berechnung durch den Eisprungkalender ist umso zuverlässiger, desto regelmäßiger der Zyklus ist. Und genau hier befindet sich der Knackpunkt: Längst nicht alle Frauen haben einen regelmäßigen Zyklus. Genau genommen ist ein perfekt regelmäßiger Zyklus sogar die Ausnahme, nicht die Regel. Bei den meisten Frauen variiert die Zykluslänge innerhalb eines Jahres um mehr als eine Woche, ohne dass ein gesundheitliches Problem zu Grunde liegt. Außerdem muss man sich bewusst machen, dass der Durchschnittszyklus von 28 Tagen ein Mythos ist. Wesentlich häufiger tritt ein Zyklus von 27 Tagen auf. Als medizinisch „normal“ gelten Zykluslängen von 23 bis 35 Tagen.

Eine ganze Reihe von Faktoren kann den Monatszyklus temporär beeinflussen, dazu gehören das Alter, Stress und Krankheiten, aber auch Klimaveränderungen und durch Reisen bedingte Zeitverschiebungen. Sogar die Ernährung und insbesondere Diäten können sich auf den Zyklus auswirken. Wie sensibel der Körper auf diese Einflüsse reagiert und wie stark sich der Zyklus deswegen verschiebt, ist individuell verschieden. Es kommt auch vor, dass der Zyklus stabil bleibt, egal wie turbulent das Leben sich gestaltet.

In den ersten Jahren nach dem Einsetzen der Periode sind starke Zyklusschwankungen üblich. Diese Phase dauert bei manchen Frauen bis Mitte Zwanzig an. Im Alter von 30 bis 40 sind die Zyklen am stabilsten, im höheren Alter nehmen die Zyklusschwankungen wieder zu.

Hormonelle Verhütungsmittel können ebenfalls Zyklusschwankungen verursachen. Nach dem Absetzen der Pille oder der Entfernung der Hormonspirale kann es bis zu einem Jahr dauern, bis sich der Zyklus auf seinen natürlichen Rhythmus eingependelt hat.
Fazit: Bevor eine Frau ihren Eisprungkalender berechnen lässt, muss dringend der individuelle Zyklus über einen längeren Zeitraum (am besten über ein Jahr) beobachtet werden, damit der Eisprungkalender brauchbare Ergebnisse liefern kann.

Eisprungkalender bei Kinderwunsch

Meist kommt der Eisprungkalender bei einem Kinderwunsch zum Einsatz. Paare können sich am Eisprungkalender orientieren, um die Tage herauszufinden, an denen eine Schwangerschaft besonders wahrscheinlich ist. Dabei können sie dank des Eisprungkalenders sogar ein wenig Einfluss auf das zukünftige Geschlecht des Kindes nehmen. In den ersten fruchtbaren Tagen (vor dem Eisprung) ist ein Mädchen wahrscheinlicher, mit der höchsten Wahrscheinlichkeit drei Tage vor dem Eisprung. In den späteren fruchtbaren Tagen (am Tag des Eisprungs und kurz danach) wird es eher ein Junge, mit der höchsten Wahrscheinlichkeit genau am Tag des Eisprungs. Wirklich zuverlässig funktioniert das Sex-Timing allerdings nicht. Da das Geschlecht des Kindes immer noch vor allem vom Zufall abhängt, sollte man sich bei der Planung des Wunschkindes niemals auf ein Geschlecht versteifen. Als Unsinn darf man das Sex-Timing trotzdem nicht abtun, der Zeitpunkt für den Sex spielt für das Geschlecht des Kindes tatsächlich eine Rolle. Das liegt daran, dass weibliche Spermien zwar langlebiger aber etwas langsamer sind als männliche, denn die weiblichen Spermien tragen das schwerere X-Chromosom statt eines Y-Chromosoms. Erfolgt der Beischlaf am Tag des Eisprungs, so sind die männlichen Spermien bei dem Wettrennen zur Eizelle im Vorteil: Sie sind schneller, deshalb steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein männliches Spermium die Eizelle zuerst erreicht und befruchtet. Die weiblichen Spermien haben wie erwähnt den Vorteil, dass sie länger leben. Spermien beiderlei Geschlechts überleben mehrere Tage in der Scheide, allerdings überdauern die weiblichen die männlichen. Beischlaf drei Tage vor dem Eisprung erschafft eine Situation, in der zum Zeitpunkt des Eisprungs die meisten männlichen Spermien abgestorben sind, während noch immer lebensfähige weibliche Spermien auf eine Chance zur Befruchtung warten. So erklärt sich die höhere Wahrscheinlichkeit für ein Mädchen.

Eisprungkalender markieren nicht nur den Tag des Eisprungs und die fruchtbaren Tage im Zyklus, sondern kennzeichnen die fruchtbaren Tage auch nach den unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten für die Empfängnis eines Jungen oder eines Mädchens.

Eisprungkalender mit Einnistung

Der Eisprungkalender sagt auch den Tag für die Einnistung (Implantation) der befruchteten Eizelle voraus. Fünf bis sechs Tage nach der Befruchtung erreicht die Eizelle die Gebärmutterhöhle und gräbt sich dort in die Gebärmutterschleimhaut ein. Dies ist der Beginn der Einnistung. Am 24. Zyklustag ist die Einnistung meist abgeschlossen, bis dahin ist der Embryo über Blutgefäße mit der Mutter verbunden und wird während seiner weiteren Entwicklung über das Blut der Mutter ernährt und versorgt. Die Einnistung setzt einen Prozess in Gang, der dem Körper signalisiert, dass eine Schwangerschaft vorliegt. Dadurch wird verhindert, dass ein erneuter Eisprung stattfindet und die Gebärmutterschleimhaut wird nicht – wie sonst üblich – abgebaut. Die Menstruationsblutung bleibt daraufhin aus. Die Einnistung verläuft oft unbemerkt, allerdings empfinden manche Frauen ein Ziehen im Unterleib oder stellen leichte Blutungen fest, die sich allerdings von der Menstruationsblutung unterscheiden. Diese sogenannten Implantationsblutungen sind völlig normal und medizinisch unbedenklich. Sie entstehen durch kleinste Verletzungen der Gebärmutterschleimhaut während der Einnistung. Im Gegensatz dazu wird bei der Monatsblutung ohne Schwangerschaft die komplette Gebärmutterschleimhaut abgestoßen. Ein Eisprungkalender, der den Beginn der Einnistung kennzeichnet, kann also helfen, die möglichen „Symptome“ richtig einzuordnen.

Eisprungkalender als App fürs Smartphone

Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Eisprungkalender zu führen. Die altmodische Methode mit Stift und Papier wurde inzwischen durch bequemere, elektronische Methoden ersetzt. Wer einen Internetzugang besitzt, findet eine große Auswahl an Eisprungkalendern online. Die Angebote sind in der Regel kostenlos. Der Tag der letzten Periode und die durchschnittliche Zykluslänge wird eingetippt und sofort wird ein personalisierter Eisprungkalender erstellt, den man vom Bildschirm ablesen oder ausdrucken kann. Noch praktischer ist es, sich eine App auf das Smartphone zu laden. Sowohl für das iPhone als auch für Android werden kostenlose Eisprungkalender-Apps angeboten. Die meisten Leute haben ihr Telefon permanent griffbereit, dadurch sind auch die Informationen im Eisprungkalender jederzeit zugänglich. Die App informiert nicht nur darüber, wann die besten Tage für Sex sind. Der voraussichtliche Termin für die Entbindung wird berechnet und zusätzlich noch ein paar interessante Eckdaten für den Schwangerschaftsverlauf. Beispielsweise das Datum, ab dem ein Schwangerschaftstest frühestens möglich ist, den voraussichtlichen Termin für die erste Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchung, ab wann eine Fruchtwasseruntersuchung möglich wäre und so weiter. Auch für die Ultraschalluntersuchungen gibt es mehrere Stichtage: Herzschlag erkennbar, Organultraschall möglich, Geschlecht eventuell erkennbar. Der Eisprungkalender kann die voraussichtlichen Daten für diese Ultraschallergebnisse kennzeichnen. Werdende Mütter können aus einem Eisprungkalender ebenfalls ablesen, ab wann sie mit den ersten spürbaren Kindsbewegungen zu rechnen haben.

Welche Angaben der Eisprungkalender macht und über welche zusätzlichen Funktionen er verfügt, ist von der App abhängig.

Chinesischer Eisprungkalender

Der chinesische Eisprungkalender ist angeblich eine 700 Jahre alte Methode, um das Geschlecht des Kindes vorherzusagen. Für dieses Geschlechterorakel wird das Alter der Mutter benötigt und der Zeitpunkt der Empfängnis muss ungefähr bekannt sein. Im Internet finden sich mehrere solcher interaktiver Kalender, bei denen neben dem Geburtstag der Mutter entweder das genaue Datum der Empfängnis oder der Monat der Empfängnis eingegeben werden muss. Mit Hilfe dieser Angaben bestimmt der chinesische Eisprungkalender dann, ob es eher ein Mädchen oder eher ein Junge wird. Solche Eisprungkalender arbeiten auf Grundlage einer Tabelle, die für alle möglichen Kombinationen von Frauenalter und Empfängnistag ein bestimmtes Geschlecht des Kindes zuordnet. Das Original der Tabelle soll im Institut der Wissenschaften von Beijing aufbewahrt sein. Wie diese Tabelle ursprünglich erstellt worden ist und ob es möglicherweise eine wissenschaftliche Basis für den chinesischen Eisprungkalender gibt, ist heute nur noch schwer nachvollziehbar.

Je nach Quelle prahlen chinesische Eisprungkalender mit äußerst hohen Trefferquoten bei der Geschlechtsvorhersage – die Zuverlässigkeit dieser Methode sei dahingestellt. Immerhin ist es eine nette Spielerei, das Orakel mit früheren eigenen Geburten und mit Geburten von Verwandten und Freunden zu testen. Ob der chinesische Eisprungkalender mit seiner Vorhersage Recht behält, stellt sich am Tag der Entbindung heraus. Ausprobieren schadet jedenfalls nicht.